„Für’s Team“ – Aber die armen Ärzte bekommen nichts
Assistenzarzt schrieb vorgestern einen „Geschenkeratgeber“ der sich gut liest – bis auf den letzten Absatz. In der Assistenzarzt-Klinik scheint es einige Stationen zu geben, in denen Geschenke (= Essen, Süßigkeiten…) die an „das ganze Team“ gerichtet sind, vom Pflegepersonal beansprucht werden, und die Ärzte um Erlaubnis bitten müssen, wenn sie etwas davon möchten.
Ich kenne viele Krankenhäuser und viele Stationen – und habe ein absichtliches Vorenthalten von Patientengeschenken bisher nicht beobachten können. Dass Ärzte oftmals nichts abbekommen hat den banalen Grund, dass sie oft schlichtweg nie auf Station sind. Auf vielen Stationen schaut ein Arzt nämlich genau dreimal am Tag vorbei:
- Morgens bei der Visite und um die Enlassungspapiere fertig zu machen,
- Mittags, um die vergessenen Entlassungspapiere endlich nachzureichen und
- Abends um sich vor dem Nachtdienst ein aktuelles Bild des Elends zu machen.
Manche KollegInnen stellen dem Arzt dann freundlich ein Kuchenstück an die Seite – dass der diensthabende Chirurg der den Patienten weder kannte noch überhaupt für die Station zuständig ist jedoch kurze Zeit später abgreift.
Bei uns sieht das jedoch etwas anders aus: Als Intensivstation mit angegliedertem OP schwirren bei uns täglich viele Chirurgen und Anästhesisten herum. Sieht einer von diesen, wir nennen ihn / sie schon „Späher, etwas ansatzweise verzehrbares, so tummeln sich kurze Zeit später mindestens fünf Studierte in der Küche und tun sich an dem gütlich, was der „Späher“ ausgemacht hat.
Dabei ist es egal, ob das explizit für das Pflegeteam war (z.B. weil die Ärzte im Arztzimmer einen Extrakuchen bekommen haben) oder ob es sich um das Frühstück / Mittagessen / Abendessen des Pflegeteams handelt, das aus eigener Kasse bezahlt wurde – die Fressucht mancher Ärzte wird diesbezüglich nur durch die bodenlose Unverschämtheit sich fremde Nahrungsmittel ungefragt unter den Nagel zu reissen, getoppt.
Vor einigen Jahren gab es anlässlich eines besonders unverschämten Arztes, der sich auch an privaten Lebensmitteln im Personalkühlschrank bediente, eine recht „lustige“ Aktion: Ein Kollege, der mittlerweile nicht mehr in unserem Haus arbeitet, machte sich den Spaß, mittels einer Spritze den Alkohol aus Mon Chéri Pralinen zu entfernen und durch Laxans-Tropfen zu ersetzen. Die so präparierten Pralinen drapierte er in einer Ecke der Küche und versah den Kasten mit „Privat: Gehört $NameDesKollegen“.
Kurze Zeit später fehlten sowohl etliche Pralinen als auch besagter Arzt…
typisch chirurgisches Verhalten, kennen wir auch als Internisten-Opfer, von meinen Internisten-Kollegen im Hause zum Glück noch nie derartige Geschichten gehört (puh, gott sei dank unschuldig…) Niemals privates Essen in einer interdisziplinären Notaufnahme stehen lassen. Sobald Superchirurg es riecht, ist es weg… da könnt ich Kirchen- und Telefonbücher von vollschreiben. Internisten hocken aber meistenteils auf den Stationen, deswegen kriegen wir schon was mit. Aber wie gesagt, es gibt „Team“-Stationen mit lebenserhaltenden Futterspenden liebevoller Pflegekräfte an die Akademiker desnächtens und teilen der Geschenke und die anderen mit „die Ärzte“ und „die Schwestern“… leider letztere in Überzahl.
Selbst wenn die Ärzte einem das Essen klauen finde ich doch, dass eine tatsächliche Körperverletzung einfach nicht verhältnismäßig ist :\